Ein Blick auf die Kultur- und Kreativwirtschaft

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Bundes- und Landespolitik schauen auch deshalb mit Neugier auf die Kultur- und Kreativwirtschaft, weil man davon ausgeht, dass sie Entwicklungstrends in anderen Wirtschaftsbranchen vorwegnimmt.

Der aktuelle Monitoring-Bericht der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung vom Dezember 2017 ausgewählten Eckdaten für die Branche:

Umsatz 2016: 
ca. 154,4 Milliarden Euro (plus 1,5 % im Vergleich zu 2015)

Bruttowertschöpfung 2016:     
ca. 98,8 Milliarden Euro (plus 4,2 %; Anteil von 3,1 % an der Gesamtwirtschaft)

Erwerbstätige 2016:     
Gesamtanzahl knapp 1,64 Mio. (plus 2,1 %),
davon: 864.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (plus 3,5%) und 253.200 Selbständige. 
Das ergibt die Summe der Kernerwerbstätigen von 1.172.000 (Zuwachs knapp 3%).
520.900 geringfügig Erwerbstätige (davon 210.700 geringfügig Tätige Solo-Selbständige und Freiberufler unter 17.500,- € Jahresumsatz).

Binnensegmentierung:     
ca. 94,4 % sind Kleinstunternehmen,  

Den aktuellen Monitoringbericht finden Sie unter
https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Wirtschaft/monitoringbericht-kultur-kreativwirtschaft-2017.pdf?__blob=publicationFile&v=20
  


Besonders zu beachten: 
Neue Berechnungsform und aktualisierter statistischer Leitfaden

Im aktuellen Monitoringbericht vom Dezember 2017 wurde erstmals eine neue Berechnungsform für die Kultur- und Kreativwirtschaft angewandt. Sie beinhaltet eine umfassendere und genauere Betrachtung der Bruttowertschöpfung. Als Resultat fließen deutlich mehr Unternehmen der KKW in der Berechnung ein (z. B. aus dem Teilmarkt Software- und Gamesindustrie). Vorher ware diese wegen der groberen Aggregatsabgrenzung der VGR nicht adäquat erfasst. Deshalb wurde eine zusätzliche Gewichtung eingeführt. Sie ergibt sich aus der Umsatzverteilung gemäß Umsatzsteuerstatistik. So ließen sich den einzelnen Wirtschaftszweigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft individuelle Wertschöpfungswerte zuweisen. Im Ergebnis weist das Berichtsjahr 2016 deutlich höhere Bruttowertschöpfungssummen aus (ebenso für die Vorjahre). 

Weiterhin ist es, insbesondere durch die statistische Forschungsarbeit von Michael Söndermann und seinem Büro für Kulturwirtschaftsforschung (Köln), gelungen, auch noch 'kleinere' Akteursgruppen zu erfassen, nämlich die Kleinstunternehmer unter 17.500,- € Jahresumsatz, die bislang nicht berücksichtigt werden konnten, weil die Umsatzsteuerstatistik sie nicht erfasst. Angesichts der Tatsache, dass viele KünstlerInnen und Kleinstunternehmer der KKW kombinierte Einkommen haben, ist das nicht unerheblich. Dies findet auch Berücksichtigung in der Fortschreibung des statistischen Leitfadens der Kultur- und Kreativwirtschaft, dessen detaillierte Beschreibung an dieser Stelle zu weit führen würde.

Mehr Informationen dazu finden Sie im Leitfaden zur Erfassung von statistischen Daten für die Kultur- und Kreativwirtschaft (Fassung 2016), download unter: 
http://www.wirtschaftsministerkonferenz.de/WMK/DE/termine/Sitzungen/16-06-08-09-WMK/16-06-08-09-bericht-leitfaden-ak-kultur-kreativwirtschaft-10.pdf?__blob=publicationFile&v=2




Attraktivität und Konkurrenzdruck

Die Attraktivität der Arbeitsfelder führt dazu, dass viele Menschen in Kreativbranchen tätig sein wollen. Einem Wachstum in einer Zukunftsbranche steht gleichzeitig ein hoher Konkurrenzdruck in einem kleinteiligen Markt gegenüber. Das drückt auf Honorarsätze und Löhne. Tendenziell erhält kreative Arbeit in Deutschland nicht die Art von Wertschätzung, die sich auch in höherer Entlohnung niederschlägt. Hinzu kommt, dass die Kleinteiligkeit der Branchen eine wirtschaftspolitische Lobbyarbeit sehr kopmliziert macht. 

Gleichzeitig wird die Kultur- und Kreativwirtschaft als wichtiger Impulsgeber für Innovation angesehen und als Experimentierfeld für neue Arbeits- und Erwerbsformen der Zukunft. Auch in NRW gilt sie als Jobmotor, als Vorreiter neuartiger Innovationsprozesse und Berufsprofile, insbesondere im Spielfeld der schöpferischen wie zerstörerischen Kräfte der digitalen Märkte. Umso wichtiger ist es, gerade diese neuen, kreativen Arbeitsformen tragfähig und damit existenzsichernd weiter zu entwickeln. Das bedeutet auch eine verbesserte Abstimmung wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen und Programme auf die Bedürfnisse von Freiberuflern und Solo-Selbständigen. Handlungsbedarf liegt vor.