Hype versus Kontinuität: Stärken und Handicaps aus Bundesperspektive

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Das genannte Forschungsgutachen wurde im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium durch Fraunhofer ISI und Prognos durchgeführt. Hier einige Auszüge: 

„Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist in hohem Maße innovativ. Die Zusammenarbeit mit Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft kann in anderen Branchen zu hohen Innovationseffekten führen. Insbesondere durch:

Schaffung neuartiger Nutzererfahrungen
Emotionalisierung der Produkte und Dienstleistungen
Entwicklung von Content
Ergänzung bestehender Produkte und Dienstleistungen
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist Vorreiter im Einsatz neuartiger Methoden und damit andersartiger Innovationsprozesse, die in der Übertragung zu weiteren Innovationspotenzialen auch in anderen Branchen führen (z.B. Design Thinking).“


Als Hürden der Zusammenarbeit mit anderen Branchen werden folgende Punkte identifiziert:
„mangelndes gegenseitiges Verständnis
mangelnde Sichtbarkeit
fehlendes Bewusstsein für Potentiale
fehlendes Bewusstsein für Anknüpfungspunkte der Zusammenarbeit
keine Plattformen/ fehlende Vernetzungsstrukturenz“.

Quelle: http://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/Dateien/KuK/PDF/die-kultur-und-kreativwirtschaft-in-der-gesamtwirtschaftlichen-wertschoepfungskette-wirkungsketten-innovationskraft-potentiale-endbericht,property=pdf,bereich=kuk,sprache=de,rwb=true.pdf



Bundes- und Landesministerien schauen auch deshalb mit Neugier auf die Kultur- und Kreativwirtschaft, weil man davon ausgeht, dass sie Entwicklungstrends in anderen Wirtschaftsbranchen vorwegnimmt.

Gleichzeitig ist die Branche sehr viel kleinteiliger als die genannten Industriebranchen. Im Jahr 2012 bestand sie zu 94,4% aus Klein- und Kleinstunternhemen. Der Anteil an Solo-Selbständigen und Freelancern ist außerordentlich hoch. Die Branche ist bunt, vielfältig und kleinteilig. Dies hat Vor- und Nachteile, letzteres insbesondere dort, wo es um das Gewicht von Lobbyvertretern der Teilbranchen in der Wirtschaftspolitik geht. Gleichzeitig hat sich die Kleinteiligkeit in Verbindung mit Flexibilität, Leidensfähigkeit und Durchhaltevemögen der Akteure als recht krisenbeständig erwiesen. Aber zu welchem Preis? Viele Erwerbstätige arbeiten für eine relativ schlechte Bezahlung.


Was benötigt wird sind Pilotprojekte (unter anderem zu unternehmerischer Qualifizierung), Mut zum Experiment, mehr Sichtbarkeit und finanzielle Wertschätzung kreativer Arbeit, Nachhaltigkeit.


Bei aller Konzentration auf das Thema 'Innovation' bleibt es eine Aufgabe der Politik, das Kultur- und Kreativwirtschaft ganzheitlich zu betrachten und die klassischen künstlerischen und kulturwirtschaftlichen Bereiche adäquat zu berücksichtigen. Bei all dem 'Hype' ist daran zu denken, das Thema wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich zu erden. Damit geht es auch um einen erweiterten Innovationsbegriff, der neben der technischen auch die kulturelle, künstlerische und soziale Innovation berücksichtigt und Ansätze wie 'social entrepreneurship', 'cultural entrepreneurship' und 'artistic entrepreneurship' einschließt.