UNESCO-Perspektive: Die rasante Entwicklung der Kulturberufe

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Wenn man die Entwicklung der Kulturberufe in Deutschland gemäß dem 'UNESCO Framework for Cultural Statistics' betrachtet, so ist festzustellen, dass die Anzahl der Erwerbstätigen in den Kulturberufen von 1993 bis 2011 um etwa 75% zugenommen hat, von etwa 800.000 auf 1,4 Millionen. Das besagen aktuelle Zahlen des Büros für Kulturwirtschaftsforschung aus Köln. (Der UNESCO Framework ist weiter gefasst als das Modell der Kultur- und Kreativwirtschaft. Es beinhaltet u. a. auch die öffentlich geförderte Kultur mit den dazu gehörigen Institutionen). 

Michael Söndermann stellte diese Zahlen im Februar 2014 auf der Konferenz „Kreatives Prekariat. Wie lebt es sich von und mit der Kunst?“ der Kulturplitischen Gesellschaft vor. Damit wird einerseits das rasante Wachstum der Kulturberufe deutlich. Andererseits zeigt sich ein steigender Konkurrenzdruck, mit dem sich die klassische Kulturförderung ebenso wie die Kulturwirtschaft konfrontiert sehen. Im Kontext digitaler Entwicklungen entstehen dabei zusätzliche, teils zerstörerische, Umwälzungen, die aber auch neue Chancen eröffnen können.

Dazu Michael Söndermann:
„Künstler, Kulturberufe und Kreative brauchen endlich ein eigenes Gewicht auf der kulturpolitischen Bühne. Voraussetzung dafür ist, dass sie als eine eigenständige Akteursgruppe anerkannt werden. Und dazu gehört ein schlüssiges Gesamtbild der Künstler- und Kulturberufe. ….. Viele Künstler, Kreative, Produzenten, Vermittler und Verbreiter sind in erster Linie Experten ihrer jeweiligen Profession. Darüber hinaus verstehen sie aber zunehmend, dass neben dem eigentlichen Kerngeschäft der Kunst- und Kreativproduktion auch die Kommunikation mit anderen gesellschaftlichen Gruppen außerhalb des Kultursektors zu ihrem Geschäft gehört. Ebenso ist es positiv zu bewerten, wenn die Bürgerinnen und Bürger Mitspracherechte für sich reklamieren, denn der Austausch zwischen Gesellschaft und Kultur stärkt die Kultur, weil alle am Prozess Beteiligte feinfühliger und »schlauer« werden. In jedem künstlerischen oder kreativen Werk ist heute neben dem Eigenwert somit auch die gesellschaftliche Wertschätzung enthalten. Das macht die Kultur erst akzeptanzfähig gegenüber anderen gesellschaftlichen Themen.“


Quelle: Michael Söndermann (Büro für Kulturwirtschaftsforschung, Köln): „Der rasante Aufstieg der Kulturberufe“, in: Kulturpolitische Mitteilungen Nr. 145, II/2014. http://www.kupoge.de/kumi/pdf/kumi145/kumi145_38-41.pdf, http://www.kulturwirtschaft.de